L31 - Augustus als Mensch

Augustus als Mensch

Nach der Schilderung Suetons war Augustus von kleinem Wuchs, „doch wurde dies durch wohlgeformte Proportionen und harmonischen Körperbau ausgeglichen“. Es heißt, fährt Sueton fort, er sei „am ganzen Leib mit Flecken übersät gewesen und habe auf Brust und Bauch Muttermale gehabt ... außerdem an vielen Stellen Schwielen wie von Ringelflechte, die auf einen beständigen Juckreiz und den übermäßigen Gebrauch des Badestriegels zurückgingen ... Auch klagte er über Schmerzen in der Blase und fand erst Erleichterung, als ihm Steine mit dem Urin abgingen“.

Der Kaiser konnte Kritik vertragen und gewann die Herzen der Untertanen, indem er Spiele veranstaltete, Bauten errichtete und für das Gemeinwohl sorgte. Es stärkte seine Position, dass er bewusst nicht nur im eigenen, sondern auch im Interesse der Öffentlichkeit handelte. Obwohl er über absolute Macht verfügte, regierte er gewissermaßen in der Rolle eines konstitutionellen Monarchen.

Augustus hegte eine spezielle Vorliebe für das Würfelspiel und versah seine Gäste oft mit dem nötigen Geld, um sich daran zu beteiligen. Er hatte viel Sinn für Humor und benutzte gern volkstümliche Wendungen wie „schneller, als man Spargel kocht“. Auf literarischem Gebiet waren seine Leistungen eher bescheiden. Wir wissen, dass er eine Autobiographie in 13 Bänden verfasst hat, die bis zum Cantabrischen Krieg reichte (26-25 v. Chr.), aber sie ist nicht erhalten. Im Bad pflegte er Epigramme zu dichten und begann ein Drama mit dem Titel Aiax. Als er später gefragt wurde, was daraus geworden sei, entgegnete er: „Ajax ist in den Schwamm gefallen“. (mit einem Schwamm wurde Tinte gelöscht) - gerade so, wie sich der mythologische Ajax ins eigene Schwert gestürzt hatte. Das Griechische beherrschte Augustus nur unvollkommen; wenn es einmal erforderlich war, schrieb er seine Sätze lateinisch auf und ließ sie übersetzen - ein gebildeter Mann, aber kein Gelehrter auf dem Kaiserthron.

Die wichtigste Gestalt in seinem Privatleben war Livia Drusilla. Er heiratete sie, als er Mitte Zwanzig war, und diese Ehe sollte bis zu seinem Tod halten. Es war genaugenommen schon seine dritte, nach den Verbindungen Claudia, einer Stieftochter des Antonius (4341 v. Chr.), und Scribonia, die mit Sextus Pompeius verwandt war 140-39 v. Chr.). Livia war schon verheiratet, als Augustus sie kennenlernte, aber auf Geheiß des Kaisers ließ sich ihr Ehemann bereitwillig scheiden. Laut Sueton soll Augustus ihr „bis an sein Lebensende die größte Hochachtung und Treue“ erwiesen haben, doch er galt auch als unverbesserlicher Schürzenjäger. Livia drückte angesichts seiner zahllosen Mätressen beide Augen zu, aber leicht dürfte ihr das nicht immer gefallen sein. So wurde zum Beispiel behauptet, Augustus sei im Jahr 16 v. Chr. in Wahrheit nur deshalb nach Gallien aufgebrochen, um ungestört mit seiner Geliebten Terentia zusammenleben zu können – einigermaßen paradox für einen Mann, der eifrig Gesetze zur Hebung der öffentlichen Moral erließ und seine eigene Tochter und Enkelin wegen Ehebruchs auf einsame Inseln verbannte.

 

Quelle: Chris Scarre, Die römischen Kaiser. Herrscher von Augustus bis Konstantin, Düsseldorf 1995, S. 21

18.2.18 12:25

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